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Die nationale Sicherheit soll durch die Zusammenarbeit zwischen CIA und dem Silicon-Valley auf eine neue Ebene gehoben werden. Dazu hat der Staat zusammen mit dem Tech-Mogul Cy Baxter ein einzigartiges Überwachungsprojekt ins Leben gerufen. Für den ultimativen Test von FUSION wurden zehn Personen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten ausgewählt. Demjenigen, dem das Kunststück gelingt, 30 Tage unauffindbar zu bleiben, gehören ganze 3 Millionen Preisgeld.
Die junge Bibliothekarin Kaitlyn ist eigentlich keine vielversprechende Kandidatin, doch hinter der unscheinbaren Fassade verbirgt sich die hartnäckigste Gegnerin für Cy Baxter. Sie schafft es immer wieder die Jägerteams zu überlisten und scheint der Überwachungsmaschinerie von FUSION immer einen Schritt voraus zu sein. Für Kaitlyn geht es nämlich nicht nur um die 3 Millionen Dollar Preisgeld, sondern etwas viel Persönlicheres…
Bereits nach wenigen Seiten entwickelt ›Going Zero‹ einen ungemeinen Sog, der mich mit jedem Satz mehr in die Geschichte gezogen hat. Anthony McCarten beweist somit mal wieder sein ausgeprägtes Talent für Storytelling, indem er ein spannendes und brandaktuelles Thema mit interessanten Charakteren verbindet. Dabei heraus kommt ein filmreifer Thriller, den ich einmal begonnen nicht mehr aus der Hand legen konnte. Also Vorsicht: Pageturnergefahr!
»Vom disneymäßigen Zahnpastalächeln der Leute am Empfang über dieses Baumspektakel im Foyer bis hin zu der Belegschaft im Allerheiligsten, diesen neunmalklugen Oompa Loompas in einer Hightechversion von Charlie und die Schokoladenfabrik ist alles darauf angelegt, dass man sich wohl fühlen soll, glücklich, in Sicherheit, als sei das Ganze ein Riesenspaß.«
Seite 230
Für mich hat sich die Faszination für McCartens Roman vor allen Dingen aus diversen Perspektiven ergeben, die dem ganzen Werk eine herrliche Dynamik verleihen. Dabei mischt auch etwas Gänsehaut mit, da man sich das von McCarten geschilderte Szenario nur zu gut in der Realität vorstellen kann.
Gerade wenn der Autor die ganz eigene Welt einer „Silicon-Valley“-Firma beschreibt und immer wieder die Gefahr, die sich aus der großen Macht, die diese Unternehmen mittlerweile besitzen, an die Oberfläche bringt, stimmte mich das ganz schön nachdenklich. Besonders in Bezug auf die momentane weltpolitische Lage, in der die großen Tech-Magnaten und US-Regierung die Nähe zueinander suchen.
Eigentlich haben wir es doch selbst in der Hand, welche Daten wir preisgeben und welche nicht. Ganz so einfach finde ich es dennoch nicht, denn dies bedeutet wesentliche Einschränkungen und ich finde, dass hier definitiv rechtsstaatliche Grenzen gesetzt gehören. Die Gretchenfrage ist doch: wie weit darf Überwachung gehen, um Schlimmeres zu verhindern?
Weil beobachtet zu werden…das fühlt sich ein klein wenig so an wie geliebt zu werden.
Seite 281
Und auch dann ist es nicht ganz so einfach, denn in der heutigen Welt will doch so gut wie jeder und jede JEMAND sein, und um JEMAND zu sein ist es unumgänglich gesehen zu werden. Kein Wunder also, dass die Social-Media-Welt blüht und pralle Früchte trägt.
Der Plot von ›Going Zero‹ hält einige Überraschungen für seine Leserschaft bereit und zu meinem Leidwesen auch ein nicht ganz abgeschlossenes Ende. Dennoch habe ich die Lektüre sehr genossen und bin schon gespannt, welches Thema Anthony McCarten wohl für seinen nächsten Roman auserkoren hat.
Eine spannungsgeladene Lektüre. Von der ersten bis zur letzten Seite fesselnde Unterhaltung in bester McCarten-Manier.
Titel: Going Zero
Originaltitel: Going Zero
Autor*in: Anthony McCarten
Übersetzer*in: Manfred Allié
Genre: Thriller
Verlag: Diogenes
ISBN-13: 978-3257071924
Format: Gebunden
Seitenanzahl: 464 Seiten
Preis: 25,00 €
Erschienen: 26. April 2023

Anthony McCarten, geboren 1961 in New Plymouth/Neuseeland, schrieb als 25-Jähriger mit Stephen Sinclair den Theaterhit ›Ladies Night‹. Es folgten Romane und Drehbücher, für die er schon mehrere Male für einen Oscar nominiert war (u.a. zu den internationalen Filmen ›The Theory of Everything‹ und ›Darkest Hour‹ und ›Bohemian Rhapsody‹). Er lebt in London.
Quelle: Diogenes Verlag

Anthony McCarten hat einen geradlinigen, fesselnden Schreibstil. Er widmet sich interessanten Themen auf wunderbar unterhaltsame Weise.
Tintenhain
Going Zero ist spannend und überrascht stets mit neuen Wendungen.
Literaturreich
Kurzum: ein grandioses Buch.
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